Die Frankfurter Sprecherzieherin Silke Renners nennt die größten Fehler, mit denen sich viele Menschen das Sprechen erschweren:

1. Viele sprechen zu schnell, sie pumpen sich mit Luft voll und versuchen, dann so lange wie möglich damit zu sprechen. Sie reden ohne Punkt und Komma und wirken atemlos.

2. Sie nuscheln, sprechen klangarm und zu leise. Anstatt am Satzende die Stimme zu senken, geht die Stimme nach oben. Das wirkt unsicher, der Zuhörer verbindet mit diesem Intonationsmuster eine Frage, es bleibt etwas offen.

3. Männer drücken ihre Stimme eher nach unten, Frauen eher nach oben, beide gelangen nicht in die eigene Sprechstimmlage. Viele beißen die Zähne zusammen, öffnen den Mund beim Sprechen zu wenig, straffen den Körper nicht. Wie kann man das besser macher?

4. Vor einem Vortrag wie ein Ventil die Luft rauslassen, der Atem ergänzt sich von ganz alleine.

5. Ein Sprichwort zitieren, nach jedem Sinnschritt eine Zäsur machen, die Stimme senken. Zum Beispiel üben mit den Sätzen von Konrad Lorenz: „Gesagt ist nicht gehört. (Pause) Gehört ist nicht verstanden. (Pause) Verstanden ist nicht einverstanden …“

6. Sich bewusst aufrichten, auch im Sitzen, Füße fest auf den Boden, Volumen herstellen. Die Hand aufs Herz legen und sprechen. Je mehr es vibriert, desto voluminöser ist die Stimme, und wir sprechen mit dem Brustton der Überzeugung.

7. Bewusst ein Zitat mit zusammengepressten Zähnen aussprechen. Danach ausgiebig gähnen, der Rachenraum weitet sich. Das Zitat abermals sprechen, Vokale ausformen, die Konsonanten deutlich aussprechen und merken, wie sich die Stimme verändert.

8. Einen Luftballon vors Gesicht und damm wieder weghalten, mit lautem Summton „mmmmmhh“ spüren, wie der Ballon vibriert und die Stimme im Raum ankommt.

9. Beobachten, wie die Kollegen, die Kunden sprechen. Was erlebt man hier als besonders angenehmen, wem höre ich gerne zu und warum?

(entnommen der FAZ vom 3./4. April 2010 Nr. 78)